20140413-43S_ZittauIn Kürze tritt für das Naturschutzgebiet „Jonsdorfer Felsenstadt“ eine neue Schutzgebietsverordnung in Kraft, die – wie viele weitere derartige Verordnungen in Sachsen – das Radfahren im NSG praktisch verbietet.

Wer das Gebiet kennt, weiß, dass es dort nicht sehr viel betroffenen Weg gibt, der außerdem eine Sackgasse ist; die Frequentierung mit Radfahrern dürfte sich also sehr in Grenzen halten. Da fragt man sich doch, wieso ein solches Verbot notwendig ist? Nun - der Landkreis Görlitz hat dazu eine interessante Auffassung:

"Bei den insgesamt im Zittauer Gebirge vorhandenen, zum Radfahren nutzbaren Wegen kann bei den wenigen Wegen im NSG im Interesse des Schutzzweckes (Gebietsberuhigung) die Nutzung zum Radfahren untersagt werden, weil das öffentliche Interesse am Schutz der Natur gegenüber dem Interesse der Radfahrer an einer Nutzung der Wege überwiegt."

Welche Vorstellung von Radfahrern hat man denn da im Landkreis Görlitz? Meint man dort, dass Radfahrer eine Beunruhigung aus naturschutzfachlichen Gründen darstellen? Seit wann stören den Radfahrer, die auf Wegen unterwegs sind, die links und rechts neben den Wegen lebende Pflanzen- und Tierwelt mehr als Fußgänger? Wir empfehlen dem Landkreis Görlitz, sich in Zukunft einmal mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zu befassen:

The existing body of research does not support the prohibition or restriction of mountain biking from a resource or environmental protection perspective.“ (Jeff Marion, Jeremy Wimpey, Environmental Impacts of Mountain Biking: Science Review and Best Practices, http://www.imba.com/resources/resea...tain-biking-science-review-and-best-practices)

Und auch andere wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Mountainbiken im allgemeinen eine im Vergleich zu anderen Natursportarten gute Umweltbilanz aufweist:

„Die Verringerung des freizeitbedingten Individualverkehrs, der in seiner Summe rund 40% des gesamten Individualverkehrs ausmacht, ist ein gewichtiges Argument, das sehr für den Mountainbike-Sport spricht. ….. Verschiedene Zählungen zeigen, dass rund 80% der Wanderer und Spaziergänger den Ausgangspunkt ihrer Aktivität per PKW erreichen, während mehr als drei Viertel der Mountainbiker dazu ihr Sportgerät selbst nutzen. Gerade noch hat der Autofahrer den Radfahrer auf der Straße bedrängt, durch seine Abgase geschädigt, doch kaum hat er die Fahrertür hinter sich zugeschlagen, verwandelt er sich zum Umweltschützer. Dabei hat er alleine durch seine Anfahrt mit dem PKW die Umwelt mehr geschädigt, als es dem Mountainbiker bei seiner Tour je möglich sein wird.“ (Thomas Wöhrstein, Ökologische Auswirkungen des Mountainbike-Sports, Diplomarbeit an der Universität des Saarlandes, Fachrichtung Geographie, 1993, Seite 102)

Da fragen wir uns natürlich erst recht, was denn der Landkreis Görlitz gegen Radfahrer im Wald hat und vermuten: Vor allem Vorurteile!

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