Die DIMB sieht viele Fragen und Ungereimtheiten

Stuttgart.- Gestern wurde im Beisein von Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, ein sogenanntes „Mountainbike-Handbuch" vorgestellt. Damit sollen die Möglichkeiten, schmale Wege in Ausnahmefällen auch für Radfahrer freizugeben, bekannt gemacht werden. Vor dem Hintergrund, dass die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) zusammen mit dem Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie dem Badischen und dem Württembergischen Radsportverband seit letzten Jahr vehement für die Abschaffung der sogenannten „2-Meter Regel" in Baden-Württemberg protestiert und dazu in einer Online-Petition fast 60.000 Unterschriften gesammelt hat, gewinnt die Veröffentlichung des „Mountainbike-Handbuch" an Brisanz.

Besonders pikant: Das neue Handbuch ist ohne Mitarbeit der eigentlichen Interessensgruppe, nämlich der Mountainbiker, entstanden! Doch es gibt nach Ansicht der DIMB noch mehr Ungereimtheiten. Dazu Heiko Mittelstädt, Sprecher und Koordinator der DIMB für Baden-Württemberg: "Die in dem Handbuch angesprochenen Ausnahmen sind von vornherein auf maximal 10 Prozent gedeckelt und müssen mit einem erheblichen Aufwand jeweils einzeln vor Ort beantragt, geprüft und genehmigt werden. Wir halten das in der Praxis für vollkommen unrealistisch!"

Bereits auf den ersten Seiten des Handbuchs wird zudem nach Auffassung der DIMB deutlich, dass es um eine rein touristische Zielsetzung bei der Veröffentlichung geht. Das Buch richtet sich also nicht an die einheimischen Biker, sondern nur an die Tourismus-Branche, die das potentielle Trailparadies Schwarzwald bisher nur mit angezogener Handbremse bewerben kann.

Die Aussage von Minister Bonde "Wir wollen keinen pauschalen Plan vorgeben, Interessenkonflikte lassen sich am besten vor Ort lösen" klingt für die DIMB wie Hohn, wenn man eben ein pauschales Verbot vorgibt und die Lösung vor Ort in einem komplizierten Genehmigungsverfahren beschreibt. Der Aufwand für Genehmigungen ist dabei so hoch, das kein ehrenamtliches Vereinsmitglied sich freiwillig diesem Verfahren unterwerfen wird. Ganz davon abgesehen wer dann die Kosten für die Genehmigung und Beschilderung zu tragen hat.

So wird lediglich die Tourismusbranche bestimmen, wo neue Wege entstehen. Und das wird nicht am Wohnort der Bevölkerung sein, sondern in touristisch attraktiven Regionen. Wer nicht zufällig da wohnt wird weiterhin seinen Sport nicht legal ausüben können.

Die DIMB fragt sich außerdem, wieso die einheimischen Biker nicht zu Wort gekommen sind? Weder die Radsportverbände, die DIMB noch der der ADFC wurden beteiligt. Die Forderung nach einem neuen bürgerfreundlichen Waldgesetz wurde nie ernsthaft diskutiert. Die Position wurde einfach als "nicht konsensfähig" hingestellt und damit das Anliegen von 30.000 einheimischen Petitenten übergangen. So bestimmt ein Konsortium aus Tourismus, Forst und Wanderverbänden von oben herab über den Freizeitsport von vielen Tausend Einheimischen.#

Heiko Mittelstädt: „Es stellt sich weiterhin die Frage, warum gerade Minister Bonde für dieses Thema zuständig sein soll. Bonde ist Minister für Tourismus, Wald und Landwirtschaft. Kein Wunder also, dass er sich nicht für die einheimischen Radfahrer interessiert. Bleibt die Frage, ob sich überhaupt ein Ministerium für die Radfahrer interessiert. Vielleicht Fahrradminister Hermann? Oder Sportminister Stoch? Und warum geht es hier eigentlich immer nur um den Schwarzwald? Was ist mit dem Rest des Landes? Leben hier keine Bürger? Oder bringen die einfach kein Geld?"

Das Positionspapier der DIMB, welches die Thematik schon vor Wochen aufgearbeitet hat und die Lösungsvorschläge gegenüberstellt, ist online zum Download unter folgendem Link zu finden: https://dimb.de/images/stories/Redaktion/presse/w2mr/Paradies_oder_Sperrgebiet.pdf