pass_costainas_sSeitdem die Tourismusmanager die Mountainbiker als lohnendes Klientel entdeckt haben, schießen ausgeschilderte Wegenetze für Biker wie Pilze aus dem Boden. „Wenn Wegenetze der Förderung des Tourismus dienen, statt die Bergradler damit generell in „Biker-Ghettos“ auszugrenzen, dann ist das eine gute Sache!“ stellt Thomas Kleinjohann, DIMB-Vorsitzender, die Position der DIMB dar. „Aber sie müssen auch gut gemacht sein“ fügt Annette Kälberer, 2. Vorsitzende und Projektleiterin „Wegenetztester“ hinzu. Die DIMB hat „gut gemacht“ definiert. Basierend auf den Ergebnissen einer großen Bikerumfrage mit über 9000 Teilnehmern wurde ermittelt, welche Anforderungen  Biker an ein ausgeschildertes Routen-Netz stellen (siehe Flyer).

Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Wer trifft die Zielgruppe und wer segelt meilenweit an ihr vorbei?
Als „attraktive Mountainbikekilometer“ vollmundig angepriesen versprechen sie die passende Route „für jede Vorliebe und Kondition“. Doch was erwartet den Biker wirklich? Wo gibt es Strecken für jeden Geschmack? Welche Angebote richten sich nicht nur an Forstwegbolzer, sondern lassen auch den Singletrailfan fündig werden? Die Wegenetztester der DIMB wollen es genau wissen. Damit kann künftig so manche unangenehme Überraschung am Urlaubsort vermieden werden. Mit Hilfe eines akribisch ausgearbeiteten Kriterienkatalogs abgeklopft, kommen die harten Fakten auf den Tisch.

Das Testverfahren:

Die Touren, die erhältlichen Informationen und die Infrastruktur vor Ort werden auf Herz und Nieren durch ausgebildete Guides und Tourenexperten geprüft. Die Tests werden ohne Vorankündigung oder gar auf Einladung durch die Betreiber in Teams mit ortsfremden Testern durchgeführt, so dass größtmögliche Objektivität gewährleistet wird.

Der Kriterienkatalog:

Der Kriterienkatalog, als Grundlage der Bewertung, besteht aus einem „theoretischen“ Teil, in dem die Qualität des angebotenen Informationsmaterials abgefragt wird, und aus einem „praktischen“ Teil, der die ausgeschilderten Touren bewertet. Hier die Darstellung der Grundfragen, die die Tester mit Hilfe des standardisierten Katalogs beantworten. Die Streckenverläufe und gefundene Schwachstellen werden mit Hilfe von GPS-Geräten des Kooperationspartners Garmin dokumentiert und fotografisch festgehalten.

Im „theoretischen Teil“ des Tests geht es um alle zur Tourenvorbereitung nötigen Informationen:

  • Wie übersichtlich und nutzerfreundlich ist die Internetseite des Anbieters?
  • Wie viele ausgeschilderte Strecken werden ausgewiesen?
  • Wie ist die Qualität der angebotenen Karten und Tourenbeschreibungen?
  • Gibt es zusätzliche Orientierungshilfen wie Roadbooks und GPS-Tracks?
  • Werden qualifizierte Tourenguides vermittelt?
  • Stehen GPS-Geräte zur Vermietung bereit?
  • Werden sonstige touristische Hinweise, z.B. zu kulturellen und historischen Highlights oder Aussichtspunkten, und Tipps zu Einkehrmöglichkeiten gegeben?
  • Erhält der Bike-Tourist Hinweise zur Bike-Infrastruktur wie bikerfreundlichem Quartier, Bikeshop, Bike-Events etc.?
  • Handelt es sich um ein rein touristisches Angebot, oder werden alle Biker in der Region auf diese ausgewiesenen Routen verwiesen?

Im „praktischen Teil“ werden die Touren des Wegenetzes getestet. Die Prüfkriterien:

  • Ist der Tourenstartpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar?
  • Wie ist die Qualität der Beschilderung?
  • Wie gelungen ist die Streckenführung (Landschaft, Erlebniswert)?
  • Gibt es Einkehrmöglichkeiten unterwegs?
  • Wie ist der Zustand der Wege?
  • Wie ist der Untergrundmix (Asphalt, Forstweg, Singletrail)? Genaue Angaben zum Untergrundmix sowie alle relevanten Streckendaten wie Streckenlänge, Höhenmeter etc. werden mit Hilfe von GPS-Geräten ermittelt und dokumentiert.
  • Der konditionelle und fahrtechnische Anspruch der Tour wird mit Hilfe eines für alle Tests einheitlichen Bewertungsschemas definiert.
  • Zusätzlich wird die Trailschwierigkeit nach der „Singletrailskala“ (www.singletrailskala.de) bewertet.

Die Ergebnisse zeigen, wo  Werbung und Wirklichkeit übereinstimmen. Die Wegenetztests sind damit eine wertvolle Orientierungshilfe für die Bike-Urlaubsplanung.
Und das i-Tüpfelchen: Mit der „OPEN-TRAILS-Wertung“, dem Qualitätssiegel für Bikevergnügen auf Wegenetzen  mit Singletrailanteil, ist auf einen Blick zu erkennen, welche Wegenetze ausgewogen sind und wo auch der Freund feiner Trails auf seine Kosten kommt.