Waldgesetz des Kantons Aargau (AWaG) v.1. Juli 1997 - angenommen in der Volksabstimmung vom 23. November 1997 - vom Bund genehmigt am 27. November 1997 - Inkrafttreten: 1. März 1999 (RRB vom 16. Dezember 1998 -AGS 1999 S. 15)

§1 Zweck

(1) Dieses Gesetz dient als Grundlage für den Vollzug der Bundesgesetzgebung und für die Verwirklichung der kantonalen Wald-, Raumplanungs- und Umweltpolitik.

(2) Es hat zum Ziel

  1. ...
  2. ...
  3. die Nutzung des Waldes als Erholungsraum so zu ordnen, dass die Ruhe im Wald gewahrt bleibt und die anderen Waldfunktionen möglichst wenig beeinträchtigt werden.

III. Betreten und Befahren des Waldes, nachteilige Nutzungen

§10Zugänglichkeit

Einschränkungen der allgemeinen Zugänglichkeit des Waldes durch Einzäunungen und andere Massnahmen sind nur dann zulässig, wenn dies für bestimmte Waldflächen im öffentlichen Interesse notwendig ist, namentlich zum Schutz von Waldverjüngungen, von seltenen Pflanzen, von wild lebenden Tieren sowie von Bauten und Anlagen.

§12 Motorfahrzeugverkehr

(1) Waldstrassen, Waldwege und Waldbestand dürfen nur zu forstlichen Zwecken mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden. Vorbehalten bleiben die bundesrechtlichen Ausnahmen für militärische und bestimmte andere öffentliche Aufgaben.

(2) Der Regierungsrat regelt

  1. weitere Ausnahmen wie Unterhalt von Versorgungsanlagen, Landwirtschaftsverkehr, Jagd und Wildhege;
  2. die Errichtung von Signalisationen und die Erstellung von Einrichtungen, die das unbefugte Befahren mit motorisierten Fahrzeugen verhindern;
  3. Zuständigkeiten und Verfahren, einschliesslich Strafverfolgung.

§13 Nachteilige Nutzungen

(1) Die Waldweide, das Niederhalten von Bäumen sowie Ablagerungen gehören zu den unzulässigen nachteiligen Nutzungen (Art. 16 WaG). Das Gleiche gilt für das Reiten und das Fahren abseits von Waldstrassen und Waldwegen.

(2) Ausnahmsweise können diese und andere nachteilige Nutzungen aus wichtigen Gründen durch die vom Regierungsrat bezeichnete Behörde unter der Voraussetzung bewilligt werden, dass sie mit den Zielen des Gesetzes im Einzelfall vereinbar sind.

Verordnung zum Waldgesetz des Kantons Aargau (AWaV) v. 16. Dezember 1998; Fassung gemäss Ziff. 36. der Verordnung 2 über die Umsetzung der Regierungsreform vom 23. November 2005, in Kraft seit 1. Januar 2006 (AGS 2005 S. 772)

§23 Nachteilige Nutzungen

(1) Der Gemeinderat kann bei Vorliegen wichtiger Gründe mit Zustimmung der Waldeigentümerin oder des Waldeigentümers und des Kreisforstamtes das Reiten und nichtmotorisierte Fahren abseits von Waldstrassen und Waldwegen auf einzelnen Strecken ausnahmsweise bewilligen.

(2) In den übrigen Fällen ist für die Erteilung von Ausnahmebewilligungen für nachteilige Nutzungen die Abteilung Wald des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt zuständig.

Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt BVU (Abteilung Wald), Bericht zur Entwicklung des Waldes im Aargau, Mai 2007, S.63
»Die Erholungsfunktion des Waldes wurde bisher eher beiläufig behandelt, jedenfalls nicht aktiv gefördert. Die Waldpolitik war in erster Linie darauf ausgerichtet, den Wald als Ort der Ruhe und als natürlichen Lebensraum zu schützen. Die Bewilligungspraxis für Bauten und Anlagen für Erholung und Freizeit im Wald war und ist entsprechend restriktiv. Das revidierte Eidgenössische Waldgesetz von 1991 verlangte von den Kantonen neu, eine Bewilligungspflicht für grosse Veranstaltungen im Wald einzuführen und dass die Waldstrassen mit einem Fahrverbot für Motorfahrzeuge belegt werden. Zusätzlich beschränkt das Aargauische Waldgesetz das Reiten und Radfahren auf Waldwegen und Waldstrassen.

Mit einer restriktiven Bewilligungspraxis allein kann den gesellschaftlichen Bedürfnissen nach Erholung und Freizeit im Wald nicht vernünftig begegnet werden. Die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald müssen vermehrt analysiert und aktiv aufgenommen werden. Es braucht neue Lenkungsinstrumente zur Minimierung von Konflikten.«

Siehe auch UMWELT AARGAU - Sondernummer 4 Feb. 1999