Update 12.4.17 : Wegekonzeptkonzept wurde für Radfahrer verbessertNationalparkUpdate

Der Nationalpark hat die Änderungen am Wegekonzept veröffentlicht. Die Anzahl der Radweg Kilometer stieg von 154 auf 197.

Einige unserer zentralen Forderungen wurden berücksichtigt. So ist es für Radfahrer jetzt möglich durch das Schönmünztal zu fahren, den Schliffkopfgipfel zu erreichen oder den Westweg ab der Darmstädter Hütte zu nutzen. Um den Ochsenkopf wurden kleine Teilabschnitte geöffnet.

Im Bereich "Roter Schliff/Wolfachhöhe" und am Buhlbachsee gibt es leider nur kleine Verbesserungen.

Wir bedanken uns beim ADFC BW, dem badischen Radsportverband und beim badischen Sportbund für die gute Zusammenarbeit. Wir werden uns auch weiterhin für eine weitere Verbesserung der Situation im Nationalpark einsetzen.

Alle Änderungen sind in diesem PDF nachzulesen:

https://www.schwarzwald-nationalpark-im-dialog.de/nationalpark/de/home/file/fileId/94/name/%C3%84nderungen%20am%20Wegekonzept

Nationalpark_schwarzwald

Bürger-Online-Beteiligungsverfahren beendet

Der Nationalpark Schwarzwald hat ein Wegekonzept veröffentlicht, welches massive Einschränkungen für Radfahrer vorsieht. Hier kann das aktuelle Wegekonzept eingesehen werden.
https://www.schwarzwald-nationalpark-im-dialog.de/nationalpark/de/home

Das Online-Beteiligungsverfahren endete am 12.2.17. Das Wegekonzept wird aber erst in den nächsten Wochen endgültig verabschiedet. Eine wesentliche Rolle wird dabei das Votum des Nationalparkrates spielen, in welchem u.a. die Anliegergemeinden vertreten sind. Lokale Mountainbiker fordern wir auf, sich mit der örtlichen Gemeindeverwaltung oder dem Gemeinderat in Verbindung zu setzen und auf die drohenden Einschränkungen hinzuweisen.

Hintergrund:

Im Nationalpark Schwarzwald ist, laut Nationalparkgesetz, das Radfahren nur auf hierfür ausgewiesenen Strecken erlaubt. Alle anderen Wege sind verboten. Diese Einschränkung betrifft auch alle breiten Forstwege, es sei denn diese werden ausdrücklich mit Fahrradwegweisern gekennzeichnet.
Im Nationalparkgebiet gab es bisher über tausend Kilometer Wege die befahren werden durften. Damit ist es nun vorbei. Die Nationalparkverwaltung hat ein Konzept vorgelegt, in welchem nur noch ca. 160km beschilderte Fahrradstrecken vorhanden sind. Fast alle dieser Strecken befinden sich auf breiten Forstwegen. Viele sind nur am äußersten Rand des Nationalparkes. Dies bedeutet einen gravierenden Einschnitt für Radfahrer im Vergleich zum bisherigen Zustand.

Die DIMB hat sich im Rahmen der bisherigen Verbändebeteiligung in die Wegekonzeption mit eingebracht. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem ADFC BW und dem badischem Sportbund ein umfangreiches Wegekonzept entwickelt. Lokale Vereine und Mountainbiker wurden von uns zu ihren Wünschen befragt und dem Nationalpark ein abgestuftes Wegekonzept übergeben. Leider wurden die Vorschläge vom Nationalpark so gut wie nicht umgesetzt. Die vom Nationalpark für Radfahrer vorgesehenen Wege sind als das äußerste Minimum zu betrachten. Mehr hätte kaum gesperrt werden können.

DIMB Position zum Nationalpark Wegekonzept:

- Das Wegenetz muss den Anforderung der unterschiedlichen Radfahrergruppen gerecht werden um Akzeptanz zu finden. Es gilt sowohl die Interessen der Rennradfahrer, Trekkingradfahrer und Mountainbiker zu berücksichtigen.

- Das Wegenetz muss für Touristen, als auch für die Einheimischen, attraktiv sein und darf die Bewegungsmöglichkeiten nicht zu sehr einschränken. Die Strecken sollten Familien ebenso ansprechen wie sportliche Fahrer.

- Naturschönheiten müssen auch für Radfahrer zugänglich sein.

- Radfahren ist aktiver Naturschutz, denn Radfahrer bleiben auf Wegen. An diese ist das Wild gewöhnt. Sollte es tatsächlich zu radfahrspezifische Beeinträchtigungen des Schutzzweckes des Nationalparkes kommen, so bitten wir diese mit Daten zu unterlegen. Sollten mildere Mittel als ein Generalverbot möglich sein, etwa eine zeitliche Beschränkung der Aktivitäten, dann wären diese vorzuziehen. Hierin würden die Radfahrverbände den Nationalpark unterstützen und die Maßnahmen den Radfahrern vermitteln. 

- Es empfiehlt sich die die Gleichstellung und die gemeinsame Nutzung des Wegenetzes mit den Wanderern. Die einseitigen Einschränkungen für Radfahrer im Nationalparkgesetz sind zu korrigieren, weil diese fachlich nicht zu begründen sind.

Kritikpunkte am vorgelegten Wegekonzept:

- Im Vergleich zum bisherigen Zustand sind nur noch sehr wenige Wege für Radfahrer vorhanden. 

- Kein Zugang für Radfahrer zum Wildsee und zum Schönmünztal. Ein sehr großes Gebiet ist damit für Radfahrer gesperrt, aber für Wanderer weiterhin zugänglich, obwohl es sich um einen breiten Forstweg handelt.

- Kein Zugang in das Gebiet "Roter Schliff/Wolfachhöhe". Das Gebiet zwischen Mitteltal/Obertal und B500 ist für Radfahrer gesperrt, aber für Wanderer auf mehreren Wegen zugänglich. Auch hier handelt es sich überwiegend um breite Forstwege. Die gemeinsame Nutzung der ausgewiesenen Wanderwege wird angeregt.

- Zugang zum Buhlbachsee ist Sackgasse für Radfahrer. Radfahrer müssen die sehr steile Zufahrtsstrasse wieder zurück bis zur Buhlbachstrasse. Eine Weiterführung der Fahrradroute vom Buhlbachsee auf dem Forstweg bis zur B500 wird gewünscht.

- Zwischen Darmstädter Hütte und Seibleseckle ist der ausgewiesene Fahrradweg unattraktiv und mit unnötigen Höhenmetern. Die Fahrradroute sollte auf den darüber liegenden Weg verlegt werden.

- Kein Zugang zum Schliffkopfgipfel. Der Westweg über den Schliffkopf wird laut Besucherzählung schon heute von Radfahrern gerne genutzt. Konflikte sind nicht bekannt. Eine Öffnung des Westweges für Radfahrer wird angeregt.

- Die Kernzone am Ochsenkopf wird für Fußgänger zugänglich gemacht, aber für Radfahrer komplett gesperrt. Hier sollte es eine Möglichkeit für Radfahrer geben den Nationalpark in der Kernzone zu erleben.

Kritikpunkte an der Begründung der Einschränkungen für Radfahrer:

Der Nationalpark behauptet auf seiner Webseite: 

Wanderer und Fahrradfahrer unterscheiden sich vor allem in Bezug auf ihre Geschwindigkeit und damit auch Reichweite. Dies hat vor allem zwei naturschutzfachlich relevante Auswirkungen. Erstens können Radfahrer dadurch höhere Distanzen zurücklegen und kommen in Gebiete zu Zeiten, in denen dies für den Wanderer nicht möglich ist. Radfahrer können somit früher und länger im Gebiet unterwegs sein, was sich speziell auf die für viele Tiere sensiblen Morgen- und Abendstunden auswirkt. Zweitens fahren Radfahrer schneller in eine Situation hinein. Während ein Wanderer sich nur langsam einer Situation nähert, ist die „Erschreckungsgefahr“ für wild lebende Tiere durch Radfahrer deutlich größer. Dieses „Erschrecken“ wurde in verschiedenen Studien entweder durch die erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen oder einer längeren Fluchtdistanz der Tiere nachgewiesen.

DIMB Position:

Ein tieferes und späteres Eindringen von Radfahrern in den Nationalpark ist nicht nachgewiesen und wird von der Nationalparkleitung nur vermutet. Da der Nationalpark dicht mit Strassen und Parkplätzen erschlossen ist, ist davon auszugehen, dass auch Fussgänger sich lange im Nationalpark aufhalten. Gerade die einheimischen Radfahrern dürften den Nationalpark zeitig verlassen, da sie noch einen weiten Heimweg bis ins Tal haben. Auch Morgends, bei der Anfahrt in den Nationalpark sind sie später unterwegs, da sie erst den Aufstieg bewältigen müssen. 

Ein erhöhte Erschreckungsgefahr durch Radfahrer wird in den uns vom Nationalpark übersendeten Studien wiederlegt. Es ist zwar richtig, dass in dem in der Studie untersuchten Gebiet in den Alpen eine erhöhte Erschreckungsgefahr bei Gemsen festgestellt wurde, die Autoren verweisen in dem Zusammenfassung aber darauf, dass dies nicht an der Geschwindigkeit lag, sondern dass den Tieren im Untersuchungsgebiet Radfahrer bisher unbekannt waren. Die Autoren kommen zur Schlussfolgerung, dass wenn die Tiere an Radfahrer gewöhnt sind, der Einfluss von Radfahrern vergleichbar mit dem des Fussgängers ist.
"Where the animals have been in contact with jogging and mountainbiking for a longer time than in our study area, we would expect the responses of chamois to hiking, jogging and mountain- biking to be practically the same. (Gander 1997)"
The impacts of mountain biking on wildlife are similar to those of hikers and other non motorized trail users. (Marion & Wimpey)