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Nur was man kennt, schätzt man, und was man schätzt, schützt man.


Seit 2013 besteht eine Kooperation von Kids on bike - NatureRide mit dem Haus des Waldes in Stuttgart. Und so wurde ein Teil der kids on bike - NatureRide Fortbildung für die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft von Berthold Reichle, Leiter des Haus des Waldes gestaltet. Kai Hintzenstern vom Team Kids on Bike - NatureRide hat Ihn befragt.

KoB: Was ist die Aufgabe des Haus des Waldes?

Berthold Reichle: Das Haus des Waldes kann man als Begegnungsort für Mensch und Wald bezeichnen. Alle gesellschaftlichen Gruppen, von Kindergartenkindern bis zu Senioren haben die Möglichkeit, näher mit dem Wald in Kontakt zu kommen. Kontakt im wahrsten Sinn des Wortes, denn die unmittelbare Naturerfahrung - mit Kopf, Herz und Hand - steht dabei im Mittelpunkt. Riechen, hören, sehen, tasten, fühlen und aktiv sein: es geht also um alle Sinne und Erlebnis in unserer Ausstellung und vor allem im Wald.
Wald, Natur ist wichtig für jeden einzelnen – und macht sogar Spaß: das soll durch das Haus des Waldes rüberkommen. Wenn durch einen oder am besten mehrere Besuche im Haus des Waldes oder im Wald überhaupt, noch ein Impuls zum verantwortungsvollen und umweltfreundlichen Verhalten entsteht, ist das wunderbar. Wir wissen, dass das ein hoher Anspruch ist. Wir sind ja aber nicht alleine. Besonders freut es mich, dass NatureRide eine ähnliche Aufgabe übernimmt.

KoB: Weshalb ist Waldpädagogik gerade bei Kindern wichtig?

Berthold Reichle: Wald bietet einen sehr vielseitigen Erfahrungsraum, in dem die Kinder die Natur auf vielseitige Weise intensiv und spielerisch erleben. Sie sind an der frischen Luft, bewegen sich und stellen sich Herausforderungen. In der Regel sind sie mit anderen unterwegs und müssen sich also auch noch in der Gruppe arrangieren. Die Kinder entwickeln so eine Beziehung zur Natur, zu sich selbst und zu anderen – sie werden quasi geerdet und das in einem sehr naturnahen Umfeld.
Nun sind nicht mehr viele Kinder auf diese Art und Weise selbstgesteuert im Wald oder auch in anderer Natur unterwegs. Deshalb übernimmt das Haus des Waldes unter vielen anderen Umweltbildungseinrichtungen die Aufgabe, mit Veranstaltungen und Programmen Anlässe für einen Besuch in der Natur zu schaffen. Das Walderlebnis wird zusätzlich mit Wissensvermittlung und Kompetenzförderung kombiniert: das ist Waldpädagogik.

KoB: Was hältst Du davon Waldpädagogik für Kinder mit dem Fahrrad zu gestalten?
 
Berthold Reichle: Ich halte das für eine sehr gute Idee, da so die Möglichkeit geschaffen wird, Kinder in den Wald zu bekommen, die sonst kein Interesse daran hätten. Wald soll Spaß machen und animieren, immer wieder selbst raus zu gehen. Und da bietet das Fahrrad oder Mountainbike eine sehr attraktive Möglichkeit. Außerdem kann so vorbildhaft gezeigt werden, wie sorgsames und umweltfreundliches Verhalten praktiziert wird.
Da bei einer Ausfahrt ohnehin immer wieder mal Pausen gemacht werden müssen, können diese für interessante waldpädagogische Aktivitäten genutzt werden. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Anteile an Waldpädagogik und Radfahren ausgewogen sein müssen, was natürlich immer von der Gruppe und deren Wünschen und Ansprüche abhängt.

KoB: Was denkst Du über das DIMB Programm Kids on Bike - NatureRide ?

Berthold Reichle: Zunächst verbindet das Programm ja genau die beiden Bereiche Radfahren und Waldpädagogik. Einerseits hat es damit einen Bildungseffekt und andererseits schafft es Bewusstsein für die doch nicht ganz konfliktfreie Freizeitbetätigung. Durch das Programm wird die Perspektive der Mountainbiker erweitert und damit Verständnis für die Bedürfnisse anderer Waldnutzer geschaffen und vor allem für einen sorgsamen Umgang mit der Natur sensibilisiert. Respekt, gegenseitige Rücksicht und Toleranz sind wesentliche Werte, die damit gefördert werden – und das ist eine notwendige Voraussetzung für verantwortungsvolles Verhalten. Nur so können der reizvolle Sport und die sinnvolle Freizeitbeschäftigung erhalten und gefördert werden.

KoB: Wo siehst Du Kooperationsmöglichkeiten oder nächste mögliche Schritte für Kids on Bike - NatureRide ?

Berthold Reichle: Ich kann mir vorstellen, dass dieses Programm noch weiter unterstützt und noch bekannter gemacht werden muss. Die Zusammenarbeit mit Förstern und Naturschutzverbänden wäre ein richtiger und notwendiger Schritt, um weiter Verständnis füreinander entwickeln zu können und im Konfliktfall Lösungen zu finden. Dazu braucht es Offenheit und Bereitschaft auf den anderen zuzugehen. Aber diese Voraussetzung sehe ich beim NatureRide-Programm gegeben.
Darüber hinaus könnten gemeinsam Fortbildungsprogramme für Multiplikatoren und Guides entwickelt und durchgeführt werden. Umweltbildung – also über Naturschutz und Ökologie hinaus - sollte aus meiner Sicht fester Bestandteil der Guide-Ausbildung sein.
Wie immer hängt der Erfolg eines Projektes an den Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Diese gilt es zu unterstützen. Wichtig halte ich einen positiven und nicht problematisierenden Zugang. Der macht weit mehr Spaß und hat sicher größere Effekte auf das Verhalten aller Beteiligten.

Berthold Reichle,
Leiter Haus des Waldes
Stuttgart, 14.07.2014

Das Projekt NatureRide der DIMB wird gefördert durch:

Ghost
Vaude
Brunox
SKS